Tausende Publisher: Ansätze zum einheitlichen Umgang mit Content
- saegesserclaudia
- 7. Juni 2022
- 3 Min. Lesezeit
Eine Plattform mit über 3000 aktiven Publishern und mehr als einer halben Million Webseiten übersichtlich, einheitlich und simpel zu halten, das klingt nach einer Herausforderung. Eine Herausforderung, die für Ben Hazell und Amy Noss von GOV.UK Alltag ist und deren Insights ich hier teile.

Ende Mai verbrachten wir die Präsenzwoche meines Master Studiums in London, statt wie sonst üblich in Graz. Während fünf Tagen durften wir dort von erfahrenen Content Strateg:innen, Unternehmer:innen und Expert:innen lernen. «Content Design for GOV.UK at the UK Government Digital Service» Ben Hazell – Lead Content Designer und Amy Noss – Content Designerin haben uns in diesem Vortrag einen Einblick in ihre Welt gegeben. Ihre Herangehensweise hat meiner Meinung nach viele Ansätze, die für diverse Unternehmen angepasst und umgesetzt werden können. Government Digital Service (GDS) ist – wie der Name es schon sagt – der Digitale Service der britischen Regierung. Sie sind zuständig Plattformen, Produkte und Services rund um die Regierung der UK (GOV.UK) zu vereinheitlichen, vertrauenswürdig und für die Bedürfnisse der User:innen simpel zu gestalten. Oder einfacher ausgedrückt: GOV.UK soll Leuten helfen, die Regierung zu verstehen und der Regierung helfen, die Leute zu verstehen.
Die Grösse der Plattform, die heterogene Zielgruppe und die Anzahl der einzelnen Seiten machen diese Plattform hinsichtlich der Content Strategie interessant. Hier einige Zahlen zur Veranschaulichung:
Über 3000 Leute publizieren Inhalte
GOV.UK verfügt über mehr als ½ Million Webseiten
GOV.UK ersetzt 1882 einzelne Webseiten der Regierung
GOV.UK hat durchschnittlich 4 Millionen Besucher pro Tag
GOV.UK ist zu 100% verfügbar
Design Prinzipien
Zur Überarbeitung der alten Plattform wurden zehn Design Prinzipien erstellt. Sinngemäss übersetzt lauten diese wie folgt:
1. Starte mit den User Bedürfnissen.
2. Weniger ist mehr.
3. Designe mit Daten.
4. Mach es dir schwer, um es einfach zu machen.
5. Passe an. Dann passe wieder an.
6. Das ist für alle.
7. Verstehe den Kontext.
8. Bilde digitale Services, nicht Webseiten.
9. Sei konsistent, nicht uniform.
10. Offenheit macht Dinge besser.
Wer mehr über die Wichtigkeit von Design Prinzipien erfahren will und nach weiteren Beispielen sucht, schaut am besten bei Jeremy Keith vorbei. Er ist Experte auf dem Gebiet und hat während unserer London-Woche einen sehr spannenden Vortrag zum Thema gehalten. Zudem sammelt er hier allerlei Beispiele von Design Prinzipien.
Content Unterteilung
Die Inhalte von GOV.UK werden im Hintergrund in zwei Bereich unterteilt:
Mainstream
Diese Inhalte zeigen auf, was Bürger tun sollen/können/müssen. Zum Beispiel: Was man nach einem Umzug beachten muss, oder wie man Stipendien beantragen kann. Die Mainstream Seiten werden vom Content Team von GDS betreut. Sie machen zwar nur rund 0.5% des gesamten Contents aus, generieren jedoch 60-80% vom gesamten Traffic.
Änderungen am Mainstream Content werden auf Nachfrage der Departemente vorgenommen oder wenn aufgrund der Daten-Analyse ersichtlich ist, dass Content verbessert werden könnte. Die Änderungen werden vom Content-Team nach Risiko, Impact und Aufwand priorisiert.
Whitehall Diese Inhalte zeigen auf, was die Regierung tut und bietet vor allem Content zu spezialisierten Themen, hier werden auch Konsultations- und Policy-Papers abgelegt. Zum Beispiel: «Umsetzung der direkten nationalen Finanzierungsformel» oder «Nationale Strategie zum Hochwasser- und Küstenerosions-Risikomanagement». Dieser Content wird von den einzelnen Departementen erstellt und macht 99% des gesamten Contents auf GOV.UK aus. Die Departemente sind selbständig für die Inhalte zuständig, das heisst die Publisher arbeiten nicht für GDS. Sie publizieren die Inhalte jedoch nach Standards, die von GDS erarbeitet wurden und mit Tools, die GDS zur Verfügung stellt.
Einheitlicher Content von über 3000 Publishern
Für User:innen ist diese Unterteilung nicht ersichtlich. Die Inhalte beider Kategorien müssen für die User:innen jedoch einheitlich erscheinen. Um sicherzustellen, dass das mit über 3000 aktiven Publishern funktioniert, geht GDS wie folgt vor: Training: Alle Publisher erhalten Trainings hinsichtlich des Content Designs und der Handhabung der Publishing Tools. Leitlinien: GDS stellt klare Leitlinien und Manuals zur Verfügung, die von Publishern jederzeit eingesehen werden können.
Klare Rollen:
«Digital, data and technology (DDaT)» Rollen und die dafür benötigten Skills der Mitarbeitenden sind klar definiert.
Content Lifecycle:
Dieser startet vor dem Schreiben der Inhalte und endet nicht mit der Veröffentlichung sondern geht weit darüber hinaus. Weitere Infos zum Content Lifecycle generell gibt’s hier.
Irreführenden Content anpassen:
Guter Content zur falschen Zeit am falschen Ort ist auch schlecht. Es gilt, diesen zu finden und entsprechend anzupassen.
Kern-Content verbessern:
GOV.UK weiss, welche Seiten für ihre User:innen relevant sind. Diese werden laufend aktualisiert und verbessert.
Learnings von GOV.UK
Klare Design Prinzipien helfen einheitliche Entscheidungen zu treffen und langwierige Diskussionen zu verhindern.
Trainings, Leitlinien, Manuals: Je mehr Leute am Content-Erstellungs-Prozess beteiligt sind, umso klarer müssen alle Schritte erklärt werden.
Für wen wir der Content erstellt? User:innen Bedürfnisse sollten an erster Stelle stehen.
User:innen Bedürfnisse verändern sich. Ein gutes Content-Management erfordert die regelmässige Analyse von Inhalten und entsprechende Massnahmen.
Nicht immer muss das Rad neu erfunden werden, bereits kleine Anpassungen können grosse Verbesserungen bringen.
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